Rauchschwalbenprojekte seit 2005

 

Seit 2005 beschäftigen wir uns mit dem Schutz, der Beringung und der Erforschung der Rauchschwalben. 2005-2008 führte NABU-Mitglied Katharina Philipp in Zusammenarbeit mit der Vogelwarte Radolfzell ein Forschungsprojekt durch.

 

Beringer: Elke Schmitt, Lucia Preilowski, Jannik Schlicht, Susan Hubert, Ines Flohr Katharina Philipp (bis 2008) Bericht NABU Naturschutzheft:

 

 http://www.nabu.de/nabu/nh/jahrgang2008/heft2/07970.html

Rauchschwalbenberingung und integriertes Monitoring

Rauchschwalbenberingung in den Verbandsgemeinden Rengsdorf, Dierdorf, Puderbach und Waldbreitbach

In Zusammenarbeit mit der Vogelwarte Radolfzell, Herrn Dr. Fiedler

Beringergemeinschaft mit dem Ornithologen Torsten Loose

"Eine Schwalbe macht noch keinen Sommer"

Rauchschwalbenprojekt von Katharina Philipp

Recht naiv machte ich mich also auf den Weg und zählte auf 108 landwirtschaftlichen Höfen unserer Region (Westerwald) die brütenden Rauchschwalbenpaare. Anhaltende Gespräche mit einigen Bauern und vor allem das Suchen aller Höfe machten das Monitoring dann also 2005-2007 fast zu meiner ausschließlichen Freizeitbeschäftigung. Doch ich war nun einmal vollends an Vogelgrippe erkrankt – die Bekanntschaft zu einem Ornithologen der Vogelwarte Radolfzell machte aus mir eine Vogelverrückte, und schnell standen nicht nur Schwalben, sondern auch Kernbeißer, Rauhfußkäuze, Wespenbussarde, Uhus und viele andere spannende Vogelarten auf dem Programm. Ich machte Kurse und Praktika in der Vogelwarte am Bodensee und 2006 begann ich dann damit, auf 5 Höfen rund um mein Heimatdorf Rüscheid die Rauchschwalben zu beringen, um die Brutbiologie und das Zugverhalten näher zu untersuchen. Die recht neue Methode der Farbberingung bei Kleinvögeln lieferte mir Erkenntnisse was das Verhalten der Schwalben betraf, und langsam weitete sich das Projekt (welches zunächst nur als Jugend-Forscht-Arbeit gedacht war) ziemlich aus und stieß in verschiedenen ornithologischen Verbänden auf großes Interesse.

Ich möchte zunächst mein Projekt in zwei Bereiche aufteilen: das integrierte Monitoring und dann die Beringung der Schwalben, die Rückschlüsse auf Zugverhalten und Brutbiologie zuließ.

Bei dem Monitoring ging es darum, die Zahl der Rauchschwalben über die 3 Jahre hinweg zu erfassen und dann die Entwicklung zu beobachten. 3 Jahre sind für eine Bestandsentwicklung aber viel zu kurz, von daher legte ich den Schwerpunkt auf die Stallart, die die Schwalben bewohnten, und erkannte einen wichtigen Trend. Ich teilte alle bewohnten Höfe in 6 verschiedene Kategorien auf: Moderner Kuhstall, alter Kuhstall, leerstehender Stall, moderner Pferdestall, alter Pferdestall und Garage. Der Trend, den ich 2005-2007 beobachten konnte, war, dass die Rauchschwalben mehr und mehr ihr ursprüngliches Brutgebiet (ältere Kuhställe, Pferdeställe) verlassen und sich in Garagen oder in Waschküchen ansiedeln. Dies ist eine Reaktion auf die starken Veränderungen in unserer Landwirtschaft: Die Höfe werden industrialisiert, es werden Kaltställe gebaut, kleine Betriebe werden von der Konkurrenz vernichtet und schließen. Die modernen, hohen, luftigen Kaltställe werden von den Schwalben jedoch nicht gerne angenommen – sie müssen abwandern. Doch Garagen und Waschküchen sind leider nur begrenzt vorhanden. Deshalb ist diese Entwicklung problematischer als sie auf Anhieb erscheinen mag.

Die Ergebnisse der Beringung bestärken diese Vermutung. 2006 wurden alle Jungvögel in den 5 Höfen beringt, Altvögel wurden mit dem Japannetz gefangen. 2007 stellte ich wieder Netze auf – Ziel war es, die Standorttreue der Schwalben nachzuweisen. Dabei konnte ich interessante Dinge beobachten: 2006 als Altvögel beringte Schwalben kehren mit fast 100%iger Wahrscheinlichkeit an den Hof zurück, auf dem sie brüteten. Jungvögel jedoch sind dagegen flexibler und verteilen sich in die Region. Das kann auch ein Mechanismus sein, um die Inzucht zu vermeiden. Dieses Ergebnis heißt jedoch gleichzeitig, dass die Rauchschwalben, was die Brutplatzwahl betrifft, sehr konservativ sind und sich möglicherweise bei Veränderungen am Hof nicht anpassen können. Ausschließlich die Jungtiere sind dann dazu in der Lage, einen anderen Brutplatz zu suchen. Für die Altvögel stellt dies ein größeres Problem dar.

Durch die Farbberingung wurde klar, dass die Schwalben sehr sozial und monogam leben. Sie wechseln weder zwischen den Bruten, noch zwischen den Jahren die Partner, wechseln jedoch zwischen den Jahresbruten (Rauchschwalben brüten bis zu 3 Mal im Jahr) das Nest, um Ungeziefer vorzubeugen.

Es ist jedoch nicht nur die Veränderung in der Landwirtschaft, welche sich negativ auf unsere Rauchschwalben auswirkt.

Auch der Klimawandel spielt eine wichtige Rolle: Vergrößerungen der Sahara tragen zu Problemen beim Zug nach Afrika bei. Trockenzeiten im April erschweren den Nestbau, die Schwalben sind auf Lehmpfützen angewiesen, die man ihnen übrigens auch als Hilfe anbieten kann. Im Mai und Juni kam es besonders in den letzten Jahren zu plötzlichen Kälteeinbrüchen und mehreren Wochen Regenwetter. Kälte führt zum Absterben oder Auskühlen der Jungvögel im Nest, denn die Altvögel müssen ja genug Nahrung finden und können deshalb nicht am Nest bleiben.

Auf den Klimawandel zurückführen kann man auch die Blauzungenkrankheit, welche normalerweise nur im Mittelmeerraum vorkommt. Durch die Erwärmung können die Erreger nun auch in ganz Deutschland überleben, und es ist Vorschrift, Insektenschutzmittel anzuwenden: Den Schwalben wird somit auch die Nahrungsgrundlage genommen. Aktuell werden auch die Schilfgebiete in Deutschland aber auch in Afrika immer weniger. Unsere Schwalben schlafen in großen Schilfgebieten, deren Vernichtung stellt ein Problem dar.

Die Vogelgrippe löste bei vielen Stallbesitzern Panik aus – die Ställe wurden verschossen und die Schwalben ausgesperrt.

Man sieht, dass ein ganzes Netz an Einflüssen auf die Schwalben einwirkt – wirklich ist die noch sehr häufige Vogelart bedrohter als von vielen Leuten erwartet. Auch die meisten Bauern sprechen von einem stetigen Rückgang.

Im Rahmen der Klimaakademie entwickelten wir die Idee, die Öffentlichkeit für diese Vogelart zu sensibilisieren. Ich organisierte also einen recht groß angelegten Schwalbenaktionstag auf einem Bauernhof mit vielen Schwalben, bei dem interessierte Besucher über die Schwalben, dann aber auch über den Vogelzug im Klimawandel, den Klimawandel an sich und über erneuerbare Energien und Stromwechsel informiert wurden. Die Vogelberingung wurde live vorgeführt, der Bauer führte die Besucher durch seine Stallungen und die Kinder konnten Nisthilfen bauen und andere Workshops belegen. Aus einem kleinen Projekt ist also eine Art Flächenbrand geworden, der nächste Schwalbenaktionstag ist schon in Planung!

Im Herbst war ich zwar immer recht froh, wenn die Rauchschwalben sich auf die Reise nach Afrika machten, im Frühling freue ich mich dagegen umso mehr, sie wieder zu sehen. Schwalben gehören mittlerweile einfach dazu.

Was könnt ihr jetzt tun?

Viel: Klimaschutz ist gleich Schwalbenschutz, ihr könnt Nisthilfen anbieten, Lehmpfützen bauen, eure Garagen offen lassen, lokale Betriebe durch bewusstes Kaufverhalten unterstützen und vor allem: Weitersagen!

 

"Entwicklung der Rauchschwalbenpopulation (Hirundo rustica) im Raum Dierdorf und Rengsdorf und Untersuchungen der Brutbiologie durch Beringung und integriertes Monitoring"

Was habe ich gemacht / mache ich?

Das Monitoring: Seit 2005 habe ich auf ca. 100 Höfen hier im Umkreis um Dierdorf und Rengsdorf die gesamte Schwalbenpopulation kartiert. Dazu wurden zunächst mal alle Höfe und Gebäude, in denen die Rauchschwalben vorkamen, 6 verschiedenen Kategorien zugeordnet:



1. moderner Kuhstall
2. älterer, niedriger Kuhstall
3. unbewohnter Stall
4. Garage, Waschküche, Scheune                         
5. moderner Pferdestall
6. älterer Pferdestall, geg. ehemaliger Kuhstall

Durch diese Einteilung kann ich die von mir vermutete Verschiebung der Population in die Garagen und in die unbewohnten Ställe besser beobachten. Grund für diese Verschiebung (und die daraus resultierende Gefährdung) der Rauchschwalbenpopulationen ist der starke Rückgang der Landwirtschaft, sowie der vermehrte Bau von den offenen und durchlüfteten Kaltställen, die die Schwalben nur sehr ungern annehmen.

Die Brutpaare pro Hof werden gezählt, und auch Betriebe ohne Schwalben werden mit in die Statistik aufgenommen und jedes Jahr kontrolliert. Erkennen kann man bewohnte Nester leicht: entweder sitzt eine brütende Schwalbe darauf, oder es sind Junge darin und die Altvögel füttern. Wenn das Nest sehr hoch ist, reicht oft ein Blick auf den Boden… denn vor allem später im Frühling werden die Jungen ihr Geschäft aus dem Nest werfen…

Schon von 2005-2006 war eine leichte Verschiebung zu erkennen, obwohl man nach zwei Jahren normalerweise noch gar keine Aussage machen kann. Die Tendenz ist  alarmierend, da Garagen und Scheunen nur begrenzt vorhanden sind und viele Leute es nicht mögen, wenn die Schwalben in ihrer Garage brüten.

Dieses Monitoring ist zwar relativ zeitaufwendig, aber so kann man die Populationen wirklich am besten beobachten und Ursachenforschung betreiben. Vergessen werden darf bei dem Monitoring nicht individuelle Einflüsse wie schlechtes Wetter (sind deshalb weniger Schwalben da?) und Katzen, Siebenschläfer oder Elstern, die gerne mal die Nester ausrauben. Oft bleiben dann die Schwalben über längere Zeit skeptisch gegenüber dem Hof. Hierbei helfen immer die Hinweise von aufmerksamen Bauern.

Die Beringung: Zusammen haben wir 2006 700 Schwalben beringt, zum größten Teil Nestlinge, aber auch Adulte, die wir mit Netzen im Brutgebiet fingen.

In die leichten Alu-Ringe ist eine Nummer eingraviert, und wenn jemand die Schwalbe wiederfängt, wird dies der Vogelwarte gemeldet. Außerdem kann man so die Standorttreue der Schwalben untersuchen und beweisen, da wir 2007 besonderen Wert auf den Wiederfang der adulten Schwalben im Brutgebiet legen werden.
Eine Rückmeldung aus Luxemburg habe ich auch schon - eine junge Schwalbe wurde 138km weit entfernt durch einen anderen Ornithologen wiedergefangen!

Außerdem habe ich die Schwalben an einem Hof mit Farbringen beringt, davon verspreche ich mir Ergebnisse in Untersuchungen zur Brutbiologie, denn die Schwalben sind mit ihrer individuellen Farbringkombination mit dem Fernglas am Nest leicht zu erkennen. Dadurch können Nest – aber auch Partnerwechsel zwischen den Bruten leichter erkannt werden.

Rauchschwalben 2007

Das Rauchschwalbenprojekt ist im Mai 2007 erfolgreich gestartet. Anfang April wurden die ersten Schwalben in unserer Umgebung gesichtet.

Aufgrund der extremen Trockenheit im April bauten wir zahlreiche Lehmpfützen, um den Schwalben das Nistmaterial zu sichern. Alle Bauern machten begeistert mit und stellten uns Wasser und Folie zur Verfügung. Vielleicht sind noch andere Leute durch unseren Zeitungsartikel auf das Problem aufmerksam geworden und haben selbst zum Schwalbenschutz beigetragen. Dafür möchten wir im Namen der Schwalben danken!

Jetzt brüten sie Rauchschwalben schon – und die ersten beringten Jungen sind schon ausgeflogen.
In unserer Ortsgruppe konnten schon einige Schwalbenjunge beringt werden.
Ich selbst habe schon eine große Fangaktion durchgeführt, bei der ich zwei Wiederfänge hatte: 2 alte Rauchschwalben, die ich letztes Jahr schon auf dem gleichen Hof beringt habe, sind wohlbehalten wieder zurückgekehrt. Beide trugen Farbringe, jedoch konnte ich noch nicht feststellen, ob sie das das gleiche Nest wie letztes Jahr bezogen haben.

Die Hofbesitzer haben noch weitere Schwalben mit Farbringen gesichtet, die ich auch bald fangen möchte.

Allgemein sind jedoch dieses Jahr weniger Schwalben zu finden als letztes Jahr, so berichten uns viele Bauern. Anfang Juni soll auch das Monitoring wieder aufgenommen werden, sodass wir über diese Vermutung noch Gewissheit bekommen.

Am 1. Juli findet auf dem Glockenhof in Rengsdorf ein Schwalbenaktionstag für Kinder und Erwachsene statt. Die Beringung kann life miterlebt werden, außerdem werden Informationen über Schwalben, deren Bedrohung durch die Landschaftsveränderung und den Klimawandel, sowie über deren Schutz geboten. Mit Workshops und Aktionen rund um die Schwalbe ist auch für ein umfangreiches Kinderprogramm gesorgt.

Rauchschwalben

Eine Schwalbe – macht noch keinen Sommer!

Hof Letschert, Ehlscheid
Hof Letschert, Ehlscheid

Die Rauchschwalbe ist die bekannteste unserer vier Schwalbenarten. Sie brütet bevorzugt in landwirtschaftlichen Betrieben, durch deren Rückgang verschiebt sich das Brutgebiet jedoch zunehmend in Garagen und Scheunen. Auch wenn man die Schwalben noch sehr oft sieht, ist die Vogelart stark von den Veränderungen in unserer Umwelt bedroht.

Kennzeichen
Die Rauchschwalbe ist von der Mehlschwalbe im Flug am besten durch den tief gegabelten, langen Schwanz zu unterscheiden. Die Kehle und die Stirn ist kastanienrot gefärbt, die Oberseite schwarzblau glänzend, die Unterseite weißlich. Im Flug wirkt sie schlanker und eleganter als die Mehlschwalbe, die ausschließlich schwarz – weiß gekennzeichnet ist.
Die Jungvögel unterscheiden sich von den Altvögeln durch die hellbraun gefärbte Kehle (im Gegenteil zu rötlich - kastanienbraun) und durch den kürzeren Schwanz.

Nest / Lebensweise
Ihr viertel- bis halbkugeliges, oben offenes Nest baut sie aus kalk- und tonhaltigem Erdmaterial, verstärkt es mit Halmen und verbindet alles mit Speichel. Innen kleidet sie es mit Heu, Haaren und Federn aus.
Bei der Brutplatzauswahl bevorzugt sie ältere landwirtschaftliche Betriebe und Pferdeställe, während sie die modernen Kaltställe nicht gerne annimmt.
Die Schwalben ernähren sich ausschließlich von Insekten, weshalb ihre Bestände von Jahr zu Jahr je nach Insektenvorkommen stark schwanken, was aber schnell wieder ausgeglichen werden kann.
Die Schwalben brüten bei uns in Europa, sie halten sich ab Anfang April in unseren Breiten auf und starten im September den langen Flug nach Südafrika, wo sie überwintern.
Rauch- aber auch Mehlschwalben brüten meist zweimal hintereinander, in guten Jahren sogar dreimal. Meist haben sie 4-5 Junge, die nach 20 Tagen schließlich ausfliegen und in Trupps durch das Land ziehen.
Die Schwalben übernachten in Schilfbeständen oder Weiden, die ja auch immer weniger werden.

Bedrohung
Mehrere Faktoren tragen zum Rückgang der Rauchschwalben bei. Das ist zum einen der Klimawandel, besonders 2006 war der Frühling so kalt und verregnet, dass die gesamte erste Brut der Rauchschwalben erfolglos war. Der stetige Rückgang der landwirtschaftlichen Betriebe und die Schließung von kleineren, älteren Bauernhöfen sowie der Bau von modernen Kaltställen hat die Verlagerung der Rauchschwalben in Garagen und Scheunen zufolge, die allerdings nur begrenzt verfügbar sind.

Die Asphaltierung der Wege und die Trockenlegung von Schlammpfützen gestalten den Nestbau und das Finden von Nistmaterial zum Problem.

Der Rückgang der Schilfgebiete in Europa und auch in Südafrika bedeutet für die Schwalben den Verlust der Schlafplätze. Des weitern stellt auch der Vogelfang in Italien eine gewisse Bedrohung dar. Vor allem auf Malta werden Schwalben gezielt gefangen, sie gelten dort als Delikatesse.